Die Niederlanden

Die Niederlande, hat man in gut drei Stunden auf der Autobahn durchquert. Sie bietet historische Städte mit Grachten, alte Kirchen und Herrenhäuser. Auf dem Lande Kanäle, Windmühlen und Blumenfelder. An der Küste Wind, Wellen, Strand, Dünen und Polder, sowie Seen und Naturreservate. Die Niederlande bietet eine Landschaft, in der ausgeglichene Menschen ernsthaft arbeiten, aber gleichzeitig zu leben wissen. Eine Atmosphäre, in der zu reisen und Ferien zu machen Freude bereitet. Man sollte sich nicht ausschließlich von den international anerkannten Kunstschätzen und den Natursehenswürdigkeiten dieses Landes gefangen nehmen lassen, sondern auch auf den sprachbegabten Niederländer und seine Kontaktfreudigkeit bauen. Diese Chance eröffnet dem Reisenden die faszinierende Möglichkeit, mehr von der Mentalität und den Gewohnheiten der Gastgeber zu begreifen.
Interessant ist das Fest des Heiligen Nikolaus, eines der wichtigsten Feste der Holländer, am 5. Dezember. Schon Wochen vorher freuen sich die Kinder auf den Besuch des Nikolaus, oder besser des Sinterklaas, wie man in Holland sagt. Es gibt zahlreiche typische Sinterklaaslieder, die zuhause und in den Schulen gesungen werden. Der Nikolaus ist ein Bischof, schon viele Jahrhunderte alt und wohnt in Spanien. Jedes Jahr kommt er mit einem Dampfer nach Holland, begleitet von zahlreichen Gehilfen, "zwarte Pieten" genannt. Sinterklaas reitet auf einen weißen Schimmel, sogar über die Dächer der Häuser und wirft, unterstützt von den zwarte Pieten, Geschenke durch die Schornsteine. Zu den Geschenken gehört immer ein Großbuchstabe aus Schokolade, der sog. "chocoladeletter". Es ist immer der Anfangsbuchstabe des Namen des Kindes. Alle Hersteller von Schokoladeprodukten führen chocoladeletters in ihrem Programm. Es klingt zwar unglaublich, aber die Kinder (bis zu einem bestimmten Alter) glauben fest an Sinterklaas. Diejenigen, die ungehorsam gewesen sind, haben sogar ein bisschen Angst, denn manchmal kommen ungezogene Kinder in den Sack des zwarte Piet und müssen mit Sinterklaas nach Spanien zurück. Eine andere holländische Tradition ist das Essen von "Oliebollen" an Silvester. Oliebollen sind eine Art süße Krapfen, bereitet aus Mehl, Zucker, Rosinen, Zukkade, Korinthen, die in heißem Öl frittiert werden. Bestreut mit Puderzucker ist es eine meiner Lieblings-Leckereien. Auch typisch holländisch sind "Beschuit mit muisjes", die der Vater eines neugeborenen Babys ausgibt. Allen Familienmitgliedern, Nachbarn, Freunden und Kollegen wird dieser runde Zwieback, bestrichen mit Butter und bestreut mit farbigen kleinen harten Aniskörnern angeboten. Ist das Baby ein Junge gibt es blaue "muisjes", für Mädchen sind sie rosa-farben.

Die geographische Situation des Landes wird durch den Namen charakterisiert: er lautet offiziell "Niederlande", wenn auch im Ausland meistens die Bezeichnung "Holland" verwendet wird. Holland aber heißen nur die beiden mittleren Küstenprovinzen Noord- und Zuid-Holland, Gebiete, von denen große Teile tiefer als der Meeresspiegel liegen. Insgesamt trifft dies für über 50% der Niederlande zu; ihr tiefster Punkt mit 6,7 m unter dem Meeresspiegel ist in einem Polder nordöstlich von Rotterdam. Die höchste Erhebung findet man im äußersten Südosten mit 322,5 m über dem Meer. 

Durch die Jahrhunderte haben die Holländer mit dem Wasser kämpfen müssen und mehrmals wurden große Teile des Landes, die mit viel Mühe trockengelegt wurden, wieder vom Wasser zurück genommen. Aus der jüngsten Geschichte kennen wir 1953 als das Katastrophenjahr. In der Nacht und den frühen Morgenstunden des 1. Februars folgte auf Grund eines sehr schweren Sturms und einer Springflut die so genannten "Watersnoodramp". Diese verursachte gewaltige Schäden an der Küste der Provinzen Zeeland und Zuidholland. Viele Menschen und Tiere verloren ihr Leben und fruchtbares Land wurde in kurzer Zeit wertlos. Diese Katastrophe war Anlass für großartige Wasserbauprojekte, wie u.a. die Abriegelung der Oosterschelde (Deltaplan). Auf dieses und andere Projekte, wie z.B.  die Trockenlegung eines weiteren Teils des IJsselmeeres (Markerwaardprojekt) sind wir Holländer stolz und wir zeigen sie gern unseren Gästen.

 

Landschaft

Die Niederlande sind mit über 15 Mio. Einwohnern auf nur 37 621 km² eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde. Trotz der geringen Ausdehnung des Landes ist die Landschaft dennoch vielgestaltig- ein Ergebnis seiner Erdgeschichte. Vereinfacht kann man zwischen Hoch- und Tiefniederlande unterscheiden: die Böden der Hoch-Niederlande (im Osten und Süden) entstanden in der eiszeitlichen Periode. Die Böden der Tief-Niederlande (im Norden und Westen) dagegen sind jüngeren Datums und wurden in Form von Klei und Torf vor weniger als 10.000 Jahren abgelagert.

 

Bevölkerung

In den Provinzen Noord-Holland, Zuid-Holland und Utrecht leben auf einem Fünftel der Landesfläche fast die Hälfte aller Niederländer, während die durchschnittliche Dichte 428 Einwohner je Quadratkilometer beträgt. Die Entwicklung der verschiedenen Wirtschaftszweige brachte es mit sich, dass seit der zweiten Hälfte des 19. Jhs. die Menschen aus den ländlichen Provinzen in die westlichen Landesteile strömten. Im westlichen Teil des Landes leben die meisten der insgesamt 550.000 Gastarbeiter, die in den 60er und 70er Jahren vornehmlich aus Mittelmeerländern ins Land kamen. Minderheiten niederländischer Nationalität zogen aus den früheren Kolonien zu, dem heutigen Indonesien (9000) und aus Surinam (etw. 145.000). Verallgemeinernd können hier nur die charakteristischsten Wesenszüge eines Volkes genannt werden. Es gilt als ausgemacht, dass es starke Unterschiede zwischen den Temperamenten des protestantischen Friesland, mit einem eher verschlossenen Menschentyp, bis zur heiteren Unbefangenheit und Lebenslust des katholischen Südens, so z. B. in Limburg, gibt. Der Niederländer gilt als offen. Das geht unter anderem so weit, dass Gardinen verpönt sind; man lässt sich beim Familienleben zuschauen. Solidarität und Liberalität gehören zu den typischen Eigenarten dieses Volkes. Den Niederländern wird aber auch Sparsamkeit nachgesagt, die bis zum viel belächelten Geiz ausarten kann.

 

Sprache und Religion

Das Niederländische ist eine germanische Sprache und dem Deutschen verwandt. Anders als die deutsche Sprache hat sich die niederländische Sprache ständig, durch Rechtsschreibungsreformen vereinfacht. Sachwörter werden z.B. mit Kleinbuchstaben geschrieben. Die Holländer brauchen sich so beim Sprechen und Schreiben nicht um Genitiv, Dativ oder Akkusativ zu kümmern. Der Plural von Sachwörtern ist ebenfalls vereinfacht, und kennt viel weniger Ausnahmefälle als die deutsche Sprache. Trotzdem ist die  niederländische Sprache sehr ausdruckreich und schränkt Literaten, Schriftsteller oder Poeten keinesfalls ein. Viele Bücher von niederländischen Autoren wurden in viele andere Sprachen, auch  Deutsch, übersetzt.  Das Friesische ist kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache (Ortsschilder in Friesland sind zweisprachig!). Bedingt durch die geographische Situation ist die Kenntnis von Fremdsprachen, vor allem Englisch und Deutsch, verbreitet. Das Afrikaans der Buren, die Staatssprache Südafrikas neben Englisch, ist aus dem Niederländischen hervorgegangen. Meines Erachtens ist die vereinfachte Grammatik des Niederländischen, auch der Grund dafür, dass die Schüler weniger Zeit in ihre eigene Sprache investieren müssen und dadurch mehr Zeit für das Erlernen von Fremdsprachen haben. Natürlich hat die Tatsache, dass es in Holland nur Ganztagsschulen gibt, auch etwas mit der Vielsprachigkeit zu tun. Sind die Provinzen Noord-Brabant und Limburg überwiegend katholisch, leben die Protestanten, meist Niederländisch-Reformierte, in allen anderen Provinzen. Die mitunter intensiv empfundene religiöse Identität schlägt sich im Unterrichtswesen, in der Politik, bei Gewerkschaften und Vereinen, nicht zuletzt bei den Medien, entsprechend nieder.

 

Wirtschaft

Von der Geographie begünstigt, an der Mündung dreier großer Flüsse, Rhein, Maas und Schelde, gelegen, sind die Niederlände traditionell eine seefahrende Handelsnation. Daneben spielen Landwirtschaft, Gartenbau und Fischerei eine große Rolle. 

Mitte Mai brechen die "Herringlogger" zum Fischfang  auf und meistens Ende Mai sind die "Hollandse Nieuwe", zu kaufen. Die Holländer essen den Matjes roh mit Zwiebeln. Der gesäuberte Fisch, der in Salz eingelegt war, wird bei der Schwanzflosse genommen und einfach so, Kopf in Nacken und Men auf, gegessen. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die ökonomische Struktur. Wichtige (Veredelungs-)Industrien entstanden. Während der Bergbau im Süden an Bedeutung verlor, wird heute Erdgas gewonnen und z. T. vor allem in die Bundesrepublik Deutschland exportiert. Über 42% des Volkseinkommens werden von der Industrie erwirtschaftet. Deren Hauptzweige sind Nahrungs- und Genussmittel, Textil- und Chemische Industrie, Raffinerien, elektrotechnische Werke sowie Werften. In Amsterdam gibt es berühmte Diamantschleifereien. Seit der Kolonialzeit ist der Außenhandel bedeutend. Die Handelsflotte umfasst heute mehr als 5,5 Mio. Bruttoregistertonnen und ist somit die siebtgrößte der Welt. Der Rotterdamer Hafen verzeichnet den welthöchsten Umschlag. Der Boden wird intensiv genutzt und erbringt landwirtschaftliche und tierische Erzeugnisse höchster Qualität. Charakteristisch ist der Anbau in Gewächshäusern. Ein drittel der Gesamtausfuhr entfällt auf landwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Gemüse und Blumenzwiebeln.

 

Kunst und Kultur

Über die ältere Kunst- und Kulturgeschichte werde ich auf diese Seite nicht weiter berichten und fange an mit dem "Goldenen Jahrhundert", dem Aufstieg der Niederlande zur Weltmacht. Spätrenaissance und Barock gelangten zur vollen Blüte. Beispiele hierfür sind die Bürgerbauten wie das Mauritshuis in Den Haag und das königliche Palais in Amsterdam. Zu dieser Zeit erlebte die niederländische Malerei ihre zweite und höchste Blüte. Während im 15. Jh. die Namen der Brüder von Eyck, Memling, Rogier von der Weyden, u. a., vor allem aber Hieronymus Bosch einen ersten Höhepunkt bedeuten, tritt nun der größte niederländische Maler auf: Rembrandt Harmenszoon von Rijn (1606-1669). Gemeinsam mit ihm beeinflussen Frans Hals und Jan Vermeer von Delft die abendländische Malerei in entscheidender Weise und für lange Zeit. Wichtige Maler dieser und der anschließenden Epoche sind u. a. Jacob von Ruisdael, G. Dou, J. Steen, Hobbema, Berchem, Potter und Wouwermans. Die Werke Rembrandts findet man vornehmlich im Rijksmuseum zu Amsterdam, Frans Hals im Museum zu Haarlem viele der großen Meister im Mauritshuis zu Den Haag. Erst zu Ende des 19. Jhs. macht die niederländische Malerei durch Vincent von Gogh (doch auch erst nach seinem Tode) wieder von sich reden. Wie bei Rembrandt sind auch seine Bilder ein "Lebensbericht". Im Rijksmuseum von Gogh in Amsterdam sind die Gemälde zu sehen, die im starken Maß die moderne Malerei beeinflusst haben.

Man begegnet ihm aber auch im Kröller-Müller-Museum (erbaut von H. von de Velde) in der Hoge Veluwe. Internationale Bedeutung erlangte auch Pieter Mondriaan, der wichtigste der "Abstrakten", 1944 in New York gestorben. Von ihm und der Künstlergruppe "De Still" wurde auch die Architektur inspiriert, wie das Schrödershuis in Utrecht und De Zonnehof in Amersfoort beweisen. Im übrigen wurde auch in der niederländischen Architektur nicht wenig experimentiert: So zeigen sich das Rijksmuseum und der Hauptbahnhof in Amsterdam von P. J. H. Cuypers (1827-1921) neugotisch; als Schritt in die moderne Baukunst gilt dagegen die Amsterdamer Börse von Berlage (1856-1934). Die niederländische Literatur hat im Gegensatz zu den Werken der Philosophen, wie z. B. Arbeiten von Erasmus von Rotterdam, C. Jansenius, H. de Groot und Spinoza, nie einen besonderen Einfluss in Europa besessen.

 

 

Verfassung und Verwaltung

Die politische Gewalt in den Niederlanden wird durch das Parlament, die "Staten Generaal" ausgeübt. Dieses besteht aus zwei Kammern. Die erste Kammer zählt 75 Mitglieder, die für sechs Jahre gewählt werden. Die zweite Kammer setzt sich aus 150 Abgeordneten zusammen. Die Königin und die von ihr ernannten Minister bilden gemeinsam die Krone. Die Minister sind dem Parlament verantwortlich. Sitz der Regierung und des Parlaments ist Den Haag, traditionelle Hauptstadt Amsterdam. 

 

Das Königshaus                                          

Als Stammvater des niederländischen Fürstenhauses gilt Prinz Willem von Oranien, Graf von Nassau (1533-1584). Als in der jüngeren Vergangenheit der männliche Erbe fehlte, übernahm 1890 mit der beliebten Königin Wilhelmina, eine Frau, die Krone. Sie dankte im Jahre 1948 zugunsten ihrer Tochter Juliana ab . Diese wiederum, ebenfalls vom Volk sehr geschätzt, legte die Regentschaft 1980 in die Hände ihrer ältesten Tochter Beatrix. Königin Beatrix war mit dem Deutschen Claus von Amsberg († 2002) verheiratet und hat drei Söhne. In der Thronfolge steht der älteste Sohn, Prinz Willem-Alexander, an erster Stelle der Erbfolge. Prinz Willem Alexander heiratete 2002 die argentinische Prinzessin Maxima Zorreguita.AAm 28. Januar 2013 gab Königin Beatrix ihre Abdankung und damit die anstehende Thronfolge Willem-Alexanders bekannt. Am 30. April 2013, dem Koninginnedag, erfolgte die formelle Vereidigung. Sein offizieller Name bleibt auch nach der Thronbesteigung Willem-Alexander. Mit dem Amtsantritt ihres Mannes  wurde Máxima, als Ehefrau des Königs, Königin. Ihr offizieller Titel lautet Königin Máxima, Prinzessin der Niederlande, Prinzessin von Oranien-Nassau.